Liebesfilm

Ich sah ein Hochzeitspaar in Кам'янець-Подільський (Kamianiec Podilski). Ein Kamerateam filmte und fotografierte das Paar. Drei Maenner standen hoch oben auf einer Mauer und nahmen die beiden von dort aus auf. Braut und Bräutigam in voller Montur, ihr Kleid von schwerem Bombast, sein Anzug eher schlicht. Immer wieder küssten, umarmten, sie sich, schauten einander tief in die Augen oder verträumt in den Himmel. Dabei folgten sie der Dramaturgie ihrer cineastischen Bewacher. Im Hintergrund die Kulisse der alten Festung, die, wäre sie nicht schon vor Jahrhunderten von einem moldavischen Fürsten erdacht worden, aus einem längst verblassten Disneyfilm stammen könnte. Am Ende des geschwungenen Weges der sich hinter dem Paar erstreckt ragten die Türme, Schiessscharten und Eisengitter empor. Der Amerikaner, einer meiner Begleiter in diesen Tagen, konnte nur staunen, ob solcher europäischer Traumwelten. Einer der Kameramänner rannte immer und immer wieder auf dem abschüssigen Gelände an dem Paar vorbei, seine Kamera stossfest und schwenkbar vor seinen Bauch montiert. Eine Kamerafahrt als würde hier der Ansturm einer Horde von Komparsen auf die hölzernen Mauern Troias gefilmt. Tatsächlich trafen sich hier der Traum einer Hollywoodhochzeit und der Traum des feudalen Europa. Moldavische Fürsten und Steven Spielberg. Auf dass ein unvergesslicher Liebesfilm entstand. In Кам'янець-Подільський.
andrzej kruzel - 17. Okt, 10:07

